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Historie der Werfthalle

Die vermutlich unter der Leitung des Luftgaukommandos München-Süd errichteten Gebäude WerftHalle und HeadQuarter sind funktionstypische Zweckbauten mit hohem ästhetischem Anspruch und zeigen in gestalterischer Hinsicht ein entsprechend hohes Maß an architektonischer Qualität, wobei diese aus den Funktionen entwickelt wird. Es handelt sich bei den beiden Gebäuden um die Kernbauten der militärischen Nutzung dieses ursprünglich zivilen Flugplatzes.

Die Sachgesamtheit ist als eindrucksvolles Zeugnis zeittypischen Bauens im militärischen Bereich ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen (militär-, architektur- und ingenieurgeschichtlichen), künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen; seine Erhaltung liegt insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes im öffentlichen Interesse.
Die restauratorische Untersuchung wurde am 25.10.06 durchgeführt. Sie umfasste die Farbigkeiten der Metallträger, Eisentore, Fenster und Türen.

Baugeschichte

Die am östlichen Markungsrand Göppingens gelegene Flur trug seit Jahrhunderten den Namen „Große Viehweide". Auf den vom Rossbach ansteigenden Hang wurde früher das Vieh zum Weiden getrieben. Im Westen, stadtseitig, wird die Markung durch den Rossbach, nach Norden durch die erhöht gelegene Fläche vom Hospitalwald und Stadtwald Wacher begrenzt, nach Osten beginnt die Eislinger Markung (Ackerland). Bis
1858 war die große Viehweide auch Festplatz des Göppinger Marientags.
1926 Die Omnibusverkehrsgesellschaft Carl Hommel wird gegründet mit dem Ziel der Markterschließung im aufkommenden Verkehrswesen. Auch gibt es bereits Planungen für den Luftverkehr für Zubringerdienste und Rundflüge.
1929 Der Göppinger Gemeinderat berät über die Schaffung eines Flugplatzes auf der plateauartigen Großen Viehweide, die sich im städtischen Besitz befindet.

1930 Vertrag zwischen Stadt und der Omnibusverkehrsgesellschaft Carl Hommel, die das Gelände nutzen durfte und Zuschüsse für die Start- und Landebahn erhielt. An Hochbauten entstanden lediglich eine Wellblechhalle zur Aufnahme von 2 Flugzeugen und das Flugplatz-Restaurant „Zur Lerche". Die Fa. Hommel kaufte ein Klemm-Sportflugzeug, einen einmotorigen Hochdecker, Der Flieger Eugen Kopp, verschwägert mit Carl Hommel, veranstaltete mit dieser, „Göppingen P" genannten Maschine seine Flugvorführungen und Rundflüge. Ein Rundflug über den Hohenstaufen kostete 15 RM. Ein Göppinger Fliegerverein baute in Eigenarbeit zwei Gleitflugzeuge. 29. Juni: 1. Göppinger Flugtag.        
           
1932 Flugtag mit 40- 50.000 Besuchern und Überflug des Luftschiffs „Graf Zeppelin"

1933 Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird im Zuge der sofort einsetzenden Militarisierung unter strenger Geheimhaltung die Errichtung eines Militärflugplatzes vorangetrieben, der „offiziell" nur eine Zweigstelle der „Deutschen Verkehrsfliegerschule" aufnehmen sollte. Der Vertrag zwischen Stadt und der Fa. Hommel wird gekündigt, die Erdarbeiten werden zum größten Teil als sog. Notstandsarbeiten vom Freiwilligen Arbeitsdienst durchgeführt
1934 Anordnung des Reichsluftfahrtministers, in Göppingen ein Nahaufklärungsgeschwader zu stationieren. Beginn der Arbeiten an den Hochbauten für die Mannschaften und den Flugzeug-Werfthallen - allein die Größe verdeutlicht die militärisch ausgelegte Nutzung.
1935, 28. September: Einmarsch der Fliegertruppe mit einer Parade durch die Göppinger Hauptstraße. Göppingen war somit Garnisonsstadt geworden. Im gleichen Jahr hob das Deutsche Reich die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages auf und führte die Allgemeine Wehrpflicht wieder ein.
1936 Einrichtung einer Flakkaserne auf Holzheimer Gemarkung (heute Bereitschaftspolizei). 1935-39 werden insgesamt 5 Aufklärerstaffeln mit je 12 Flugzeugen und ca. 200 Mann untergebracht, so dass vor Kriegsbeginn 60 Flugzeuge und rund 1.000 Mann in Göppingen stationiert waren. Die Aufklärerstaffeln waren bereits beim Anschluss Österreichs, dem spanischen Bürgerkrieg und der Besetzung der Tschechoslowakei beteiligt.        
           
1939-45 (2. Weltkrieg) Die in Göppingen stationierten Flugzeuge wurden als Nahaufklärer an nahezu allen Fronten eingesetzt. Zwei weitere, während des Krieges aufgestellte Staffeln waren praktisch nie im Heimatflughafen, sondern wurden sofort an die Front verlegt. In der großen Werfthalle wurden die Flugzeuge instand gesetzt und umgerüstet. Der Fliegerhorst diente nun in erster Linie der Versorgung und Ausrüstung der Fronteinheiten und als Versorgungslager.
1941 wird eine Flugzeugführerschule mit 30 unterschiedlichen Maschinen eingerichtet.
1940-44 wird in Bezgenriet ein Scheinflugplatz zu Ablenkungszwecken betrieben: Er ist ausgestattet mit elektrischer Landebefeuerung, 800 m langer Start- und Landebahnbeleuchtung, 2 Flugzeugattrappen mit Positionslichtern, Gleisbahn und Lore.
1945, 1. März: Schwerer amerikanischer Luftangriff auf Göppingen mit fast 300 Todesopfern und Zerstörung der nördlichen Stadtteile. 20. April: Kampflose Übernahme der Stadt durch amerikanische Truppen. Der Flughafen bleibt bis Kriegsende unzerstört.
1945/46 Unterbringung von entlassenen Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern - „Displaced Persons" in den ehem. Mannschaftsgebäuden.
1946 Übernahme des Flugplatzes durch die Amerikaner, die erste stationierte Einheit war das 41. Infanterieregiment; Entstehung des amerikanischen Truppenstandorts „Cooke Barracks".        
           
1951 Einrichtung eines Divisionshauptquartiers
1950-57 Errichtung neuer Wohngebäude für die US-Soldaten zwischen Hohenstaufenstraße und Flugplatz
1952 Errichtung einer Kirche (Chapel) auf dem Gelände der „Cooke Barracks"
1952 ff.: Anlage einer 400 m langen, betonierten Start- und Landebahn, vorher war die Start- und Landebahn nicht befestigt, sondern besaß eine Grasnarbe. Auch ein Flugplatz-„Tower" entsteht an der Landebahn. Flugverkehr und Nutzung der Werfthalle jedoch auf Hubschrauber und Panzer beschränkt.
1985 Eröffnung des „Henslick-Readiness-Center" mit moderner Sporthalle.
1991 Auszug der Ist Infantry Division „Forward" (rd. 2.000 Mann)
1992 Offizielle Schließung des Göppinger US-Militärstandorts; der Flughafen geht an das Bundesvermögensamt
1996 Die Stadt erwirbt das 128 Hektar große Gelände für nur 8,2 Mio. DM. Ein Vertrag, den der damalige Bürgermeister Alfred Schwab 1965 abschloss, ermöglichte den Rückkauf des 1934/35 vom Deutschen Reich erworbenen, ehem. städtischen Geländes zu den damaligen Konditionen. Für die zukünftige Entwicklung und Sanierung des Gebiets wird die kommunale Wohnbau GmbH Göppingen eingesetzt.
Diese umfangreiche Chronik wurde von Dr. Preßler anlässlich des Tages des offenen Denkmals zusammengestellt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt.        
           
1996 bis 2006 wurde über 10 Jahre von der Stadt und angeschlossenen städtischen Gesellschaften vergeblich versucht, die Gebäude HeadQuarter, HangarHalle und WerftHalle zu vermarkten.

2006 Die Stadt verkauft die WerftHalle, das HeadQuarter und die HangarHalle zum 31.12.2006 an den Unternehmer Johannes Krauter.


01.01.2007 Der "Campus Stauferpark": Das Herz des Stauferparks ist geboren.